West-Nil-Virus in Berlin – Forschungsverbund untersucht Mückenpopulationen

Stechmücke auf einem Finger

Seit 2019 werden auch in Deutschland Infektionen mit dem West-Nil-Virus beim Menschen nachgewiesen. Wie sich das Virus ausbreitet und welche Faktoren Einfluss auf das Infektionsgeschehen haben, untersucht ein vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderter und vom DLR Projektträger betreuter Forschungsverbund.

25.08.2026 — Klimawandel, Artensterben und das Auftreten neuer Infektionskrankheiten verdeutlichen: Die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt ist eng miteinander verbunden. Der One-Health-Ansatz untersucht genau diese Wechselwirkungen. Auch auf kommunaler Ebene gewinnt dieser Ansatz an Bedeutung. Das West-Nil-Virus (WNV), ursprünglich in Afrika beheimatet, hat sich über Zugvögel nach Europa ausgebreitet. In den vergangenen Jahren wiesen Forscherinnen und Forscher es vermehrt in der Metropolregion Berlin nach.

Prof. Dr. Sandra Junglen von der Charité Berlin entdeckte mit ihrem Team durch Feldforschungen, dass in den Jahren 2023 und 2024 ungewöhnlich viele Stechmücken in Berlin mit dem West-Nil-Virus infiziert waren. Die Forschenden waren von den Ergebnissen überrascht, da Infektionsraten von zwei bis sechs Prozent bislang vor allem in Mückenpopulationen in südlicheren Regionen Europas nachgewiesen wurden. 

Infektionen mit dem West-Nil-Virus

Die meisten Infektionen mit dem West-Nil-Virus verlaufen für Menschen ohne Symptome. Rund jede fünfte infizierte Person entwickelt jedoch grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. In seltenen Fällen kann das Virus das Nervensystem befallen und schwere Erkrankungen verursachen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen sowie Personen mit einem geschwächten Immunsystem. Eine spezifische Therapie oder ein für den Menschen zugelassener Impfstoff stehen derzeit nicht zur Verfügung.

Berlin als Fallbeispiel für den One-Health-Ansatz

Aufbauend auf diesen Erkenntnissen koordiniert Prof. Junglen seit April 2026 den Forschungsverbund „WNVcombat – Mensch-Mücken-Beziehungen und Öffentlichkeitsbeteiligung“. In dem Verbund arbeiten Forschende aus sieben Partnereinrichtungen der Fachgebiete Virologie, Zoo- und Wildtierforschung sowie Medizin gemeinsam mit Mitarbeitenden aus zwei Berliner Gesundheitsämtern. Sie verfolgen einen inter- und transdisziplinären One-Health-Ansatz, der die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt gemeinsam betrachtet.
 

Die Forschenden untersuchen, wie Stechmücken als Überträger des West-Nil-Virus, Vögel als Wirte und Infektionen von Menschen sowie Landbedeckung und Klimaveränderungen zusammenhängen. Auf dieser Grundlage will der Forschungsverbund regionale Risikokarten erstellen und wissenschaftlich fundierte Strategien entwickeln, die die Ausbreitung des West-Nil-Virus besser vorhersagen sowie wirksame Maßnahmen zu seiner Prävention und Eindämmung erlauben.

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„Um Menschen vor einer Infektion mit potenziell gefährlichen Erregern zu schützen, müssen wir deren Verbreitungswege kennen. Dazu braucht es Frühwarnsysteme und die Zusammenarbeit zwischen Forschung, kommunalen Städteplanern und Gesundheitsbehörden.“
 

Laura de la Cruz
Abteilung Internationale Gesundheitsforschung, Koordinatorin für das Thema One Health und Pandemieprävention
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Koordinierte Forschungsförderung für die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt

Der Forschungsverbund wird im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Bereich Gesundheit des DLR Projektträgers betreut. Da der One-Health-Ansatz einen wichtigen Eckpfeiler der Forschungsförderung des BMFTR bildet, unterstützt die eigens eingerichtete Koordinationsgruppe „One Health“ die Aktivitäten des BMFTR in diesem Feld. Hierzu gehören nationale und internationale Förderprogramme sowie auf nationaler Ebene die One-Health-Plattform. Hinzu kommt eine enge Vernetzung in europäischen Initiativen, wie der europäischen Partnerschaft zur Pandemieprävention und der europäischen Partnerschaft zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen.

One Health im DLR Projektträger

Der One-Health-Ansatz betrachtet die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt als untrennbar miteinander verbunden. Ziel ist es, diese Wechselwirkungen zu verstehen und die Gesundheit aller drei Bereiche langfristig zu schützen und zu fördern. Dabei unterstützt der DLR Projektträger das BMFTR bereichsübergreifend auf vielen Ebenen. Mitarbeitende aus den Bereichen Gesundheit, Umwelt und Nachhaltigkeit sowie Europäische und internationale Zusammenarbeit bringen ihre Expertise in der Konzeption und Umsetzung inter- und transdisziplinärer Ausschreibungen und Programmen ein. Damit schafft der DLR Projektträger die Basis für eine nachhaltige, koordinierte Umsetzung des One-Health-Ansatzes.  

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