One Health: Warnsignale früher erkennen
16.04.2026 — „One World, One Health – eine Welt, eine Gesundheit“ – so lautete der Titel der dritten Veranstaltung des DLR Projektträgers zu dringenden Zukunftsthemen. Am 15. April 2026 kamen rund 120 Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Medizin, Bundes- und Landesministerien, Verwaltung und Medien in Berlin zusammen, um über die Umsetzung des „One Health“-Ansatzes zu diskutieren.
One Health gewinnt national wie international an Bedeutung. Denn immer deutlicher wird: Die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt sollte ganzheitlich betrachtet werden, um Krisen vorzubeugen und sie zu bewältigen. Für die Forschungsförderung bedeutet dies: Die einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen, die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachbereichen – darunter Humanmedizin, Veterinärmedizin, Umweltwissenschaft und Landwirtschaft – sowie der Transfer in Politik und Praxis sollten gestärkt werden.
Antimikrobiellen Resistenzen sektorübergreifend begegnen
„Ein One-Health-Problem sind antimikrobielle Resistenzen“, erklärte Prof. Katharina Schaufler vom Helmholz-Institut für One Health in Greifswald in ihrer Keynote: „Resistente Erreger zirkulieren zwischen Mensch, Tier und Umwelt, wobei Umweltreservoire eine wichtige Rolle für ihre Verbreitung spielen.“ Effektive Gegenmaßnahmen gegen diese „stille Pandemie“ erfordern laut Schaufler „ein integriertes, sektorübergreifendes Vorgehen“.
Dr. Ulrike Bußhoff, Abteilungsleiterin Internationale Gesundheitsforschung im DLR Projektträger, stellte Fördermaßnahmen des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) zum Thema One Health vor und skizzierte vier mögliche Zukunftsthemen:
- Daten zu Mensch, Tier und Umwelt zusammenbringen und damit besser „beforschbar“ machen
- nichtübertragbare Erkrankungen ganzheitlich betrachten
- Umwelt- und Klimaforschung stärker auch in die Gesundheitsforschung einbeziehen
- Synergien der Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt nutzen
Kernstück der Veranstaltung war eine hochrangig besetzte Podiumsdiskussion mit Dr. Henning Gädeke (BMFTR), Dr. Sigrid Weiland (Europäische Kommission), Prof. Simone Sommer (Universität Ulm) und Prof. Fabian Leendertz (Helmholz-Institut für One Health). Einig war sich das Panel, dass der „One Health“-Ansatz auf allen Ebenen der Politik und Praxis noch wirkungsvoller kommuniziert werden müsse.
Laut Henning Gädeke muss das breite und komplexe Thema verständlich und praxisbezogen dargestellt werden, um Entscheidungsträger zu erreichen und zu überzeugen. Fabian Leendertz verwies in diesem Zusammenhang auf die vom DLR Projektträger betreute One Health Platform. Diese sei eine vielfältig genutzte Möglichkeit, den Ansatz bekannter zu machen und den Austausch zu fördern.
Sigrid Weiland hob hervor, dass deutlich werden müsse, dass sich Investitionen in „One Health“ aus politischer Sicht lohnen, weil durch präventive Maßnahmen erhebliche Folgekosten vermieden werden – etwa im Falle einer Pandemie.
Als Beispiel für frühe Warnsignale für eine kippende Gesundheit von Tier und Mensch führte Simone Sommer Veränderungen im Darmmikrobiom von Wildtieren an. Solche Erkenntnisse eröffnen neue Chancen für rechtzeitige Prävention.
Für Klaus Uckel, den Vorsitzenden der Geschäftsleitung des DLR Projektträgers, war das Event in Berlin „ein gelungenes Forum, um Wissen zu vernetzen, voneinander zu lernen und miteinander zu handeln.“ Er ist gespannt auf den weiteren Austausch zum Thema One Health zwischen Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit.
Mitschnitte aus dem Livestream sowie Impressionen der Veranstaltung sind hier abrufbar.