Kulturerbe erforschen – Zukunft gestalten
Kulturerbeforschung bewahrt nicht nur Vergangenheit – sie bietet auch Orientierung für die Zukunft. Sie stärkt Identität, vermittelt Werte und liefert Wissen, das für nachhaltige und resiliente Gesellschaften entscheidend ist. Denn dieses Wissen hilft, Handlungsoptionen für die Gestaltung einer zukunftsfähigen Gesellschaft zu entwickeln und sie zu bewerten.
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) ergänzt daher seine bisherige Förderung im Bereich Kulturerbe um die Förderrichtlinie „Kulturerbe als Ressource für eine zukunftsfähige Gesellschaft“. Hinzu kommen Forschungsprojekte, die zum einen das konkrete Anwendungspotenzial von Kulturerbeforschung und die Inwertsetzung von Kulturerbe in den Blick nehmen. Zum anderen untersuchen sie die Gefahr der politischen Instrumentalisierung von Kulturerbe. Die Forschungsprojekte generieren damit Wissen, mit dem sich aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen bewältigen lassen. Kerstin Lutteropp, Abteilungsleiterin „Geisteswissenschaften und Kulturelles Erbe“, sagt dazu: „Forschungsvorhaben zu politischer Instrumentalisierung und zu ausschließenden Kulturerbe-Praktiken können den Diskurs zu gesellschaftlichem Zusammenhalt und gesellschaftlicher Resilienz um einen wichtigen Aspekt bereichern und so dazu beitragen, gesellschaftliche Herausforderungen zu bewältigen.“
Forschungsvorhaben zu politischer Instrumentalisierung und zu ausschließenden Kulturerbe-Praktiken können den Diskurs zu gesellschaftlichem Zusammenhalt und gesellschaftlicher Resilienz um einen wichtigen Aspekt bereichern und so dazu beitragen, gesellschaftliche Herausforderungen zu bewältigen.
Gefördert werden geistes-, kultur- und sozialwissenschaftliche Forschungsprojekte zu Lösungsideen für eine nachhaltigere, resilientere und demokratisch-pluralistische Zukunft. Die geförderten Projekte sollen die historische mit einer gegenwartsbezogenen Perspektive verbinden und den praktischen gesellschaftlichen Nutzen von Kulturerbeforschung sichtbar machen. Zusammen mit Partnern aus Handwerk, Stadtplanung und Zivilgesellschaft sollen die Forschungsergebnisse im Sinne eines Transfers in konkrete Lösungsideen umgesetzt werden.
Wir als DLR Projektträger sorgen dafür, dass die Förderrichtlinie „Kulturerbe als Ressource für eine zukunftsfähige Gesellschaft“ praktisch wirksam wird und die Fördermittel zielgerichtet in Projekte fließen, die Kulturerbe als Ressource für Nachhaltigkeit und Resilienz erforschen. Wir haben dazu die Förderrichtlinie im BMFTR-Rahmenprogramm „Gesellschaft verstehen – Zukunft gestalten“ für die Sozial- und Geisteswissenschaften im Auftrag des BMFTR konzipiert und setzen sie nun um.
- Wir geben interessierten Bewerberinnen und Bewerber Orientierung beim Antragstellen und beraten sie zu Projektinhalten und Förderbedingungen.
- Unsere Expertinnen und Experten koordinieren die eingereichten Projekte, prüfen deren wissenschaftliche Qualität und die gesellschaftliche Relevanz.
- Wir begleiten die Umsetzung während der gesamten Projektlaufzeit.
Durch unsere Leistungen stellen wir sicher, dass die Projekte einen wertvollen Beitrag zur Gestaltung einer zukunftsfähigen Gesellschaft leisten.
Europäische Partnerschaft „Resilient Cultural Heritage“
Auf internationaler Ebene beteiligen wir uns gemeinsam mit dem BMFTR sowie vier weiteren deutschen Partnern an der Europäischen Partnerschaft „Resilient Cultural Heritage“ (RCH), die 2026 ihre Arbeit aufgenommen hat. Ein wesentliches Ziel der Partnerschaft ist es, Ressourcen für Forschung und Aktivitäten bereitzustellen, die den Wandel hin zu einer nachhaltigeren Entwicklung, einer gerechten Zukunft, einer gesünderen Lebensweise und einem allgemeinen Wohlbefinden vorantreiben.
Angesichts von Naturkatastrophen, klimatischen Veränderungen und gesellschaftlichen Krisen soll mit den Fördermaßnahmen aus der Partnerschaft zum einen die Resilienz von kulturellem Erbe gestärkt werden. Zum anderen soll erforscht werden, welches Potenzial kulturelles Erbe für den Umgang mit diesen Herausforderungen hat. Wie können beispielsweise Maßnahmen zum Schutz und zur Anpassungsfähigkeit von kulturellem Erbe verbessert werden? Und welche traditionellen Verfahren, Techniken und Materialien gibt das Kulturerbe her, um Klimaneutralität und gesellschaftliche Resilienz zu schaffen?
„Zur Vorbereitung haben wir gemeinsam mit dem BMFTR zahlreiche Gespräche mit potenziellen Partnern geführt und den Antrag zur Einreichung bei der Europäischen Kommission mit vorbereitet“, so Lutteropp. „Im Rahmen dieser Partnerschaft sollen ab 2026 neue Möglichkeiten für die Vernetzung von europäischen und internationalen Stakeholdern aus den Bereichen Kulturerbe und Klimaforschung sowie für kollaborative Kulturerbeforschung geschaffen werden. Die kollaborative Kulturerbeforschung befindet sich dabei an der Schnittstelle von Geistes- und Kulturwissenschaften, Sozialwissenschaften und Klimaforschung. Im Fokus der Partnerschaft stehen die drei Bereiche Kulturerbe und Umwelt, Kulturerbe und Gesellschaft sowie Kulturerbe und Governance.“
Gefördert werden interdisziplinäre und internationale Forschungsprojekte, Wissensaustauschformate und Aktivitäten, die dazu beitragen, besser auf den Klimawandel mit seinen Herausforderungen und Gestaltungsspielräumen zu reagieren, die gesellschaftliche Resilienz zu stärken und das transformative Potenzial von kulturellem Erbe nutzbar zu machen. Dazu werden mehrere internationale Förderaufrufe veröffentlicht, die sich an einer Forschungsagenda orientieren. Die Forschungsagenda wurde im vorbereitenden Projekt ARCHE entwickelt.
Wir als DLR Projektträger übernehmen im Bereich der europäischen Partnerschaft die wichtige Gremienarbeit, insbesondere zur Vorbereitung von einem Teil der Förderaufrufe. Wir bewilligen, begleiten und prüfen die deutschen Teilprojekte, die aus den Förderaufrufen hervorgehen. Zudem stellen wir unsere Expertise bei zusätzlichen Aktivitäten der Partnerschaft zur Verfügung, insbesondere beim Mapping nationaler Strukturen, der nationalen Koordination der Partner und bei der Weiterentwicklung der Forschungsagenda.