Impulspapier Mittelstandsförderung: Wissenschaft und Förderpraxis im Dialog
09.07.2026 — Kleine und mittlere Unternehmen stehen vor erheblichen Innovations- und Transformationsanforderungen. Hier kann öffentliche Förderung helfen, doch wie diese wirkt, entscheidet sich nicht allein an Programmlinien, Förderquoten oder formalen Verfahren. Entscheidend ist auch, ob Förderangebote die Unternehmen tatsächlich erreichen, Orientierung geben, Zusammenarbeit ermöglichen und ob aus theoretischem Wissen konkrete Anwendung entstehen. Das Impulspapier „Wirkungsvolle Förderung für den Mittelstand: Wissenschaft und Praxis im Dialog“ versteht sich als Beitrag zu einer praxisnahen Diskussion über die Zukunft öffentlicher Innovations- und Transferförderung.
Impulse für wirksame Innovationsförderung
Im Mittelpunkt des Impulspapiers steht die Frage, wie Förderung gestaltet werden kann, damit sie Unternehmen befähigt, Wissen aufzunehmen, Kooperationen zu nutzen und Innovationsprozesse anzustoßen. Es zeigt, welche Wirkmechanismen bereits heute tragen, wo bestehende Programme an konkrete Herausforderungen des Mittelstands anschließen und welche Ansatzpunkte sich daraus für die Weiterentwicklung einer wirksamen Förderpraxis im digitalen Wandel ergeben.
Das Papier verbindet zwei Perspektiven, die für die Weiterentwicklung mittelstandsorientierter Innovations- und Transferförderung gleichermaßen wichtig sind: Zum einen die analytisch-wissenschaftliche Betrachtung förderpolitischer Begründungen von Dr. Siegrun Brink vom Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn und zum anderen die praktische Erfahrung mit Strukturen, Prozessen und Wirkmechanismen bestehender Programme, die vom DLR Projektträger organisiert werden.
Vernetzung als Schlüssel wirksamer Förderung
Das Impulspapier zeigt: Wirkungsvolle Förderung entsteht nicht allein durch einzelne Programme oder Projekte. Entscheidend ist, dass Angebote die Unternehmen tatsächlich erreichen, ob sie verständlich und zugänglich sind und ob sie zu den jeweiligen Bedarfen passen. Wissen, Kompetenzen und Erfahrungen müssen über einzelne Vorhaben hinaus nutzbar gemacht werden. Vernetzung, Transfer und der kontinuierliche Austausch mit Unternehmen, Zuwendungsempfängern, Forschungseinrichtungen und institutionelle Multiplikatoren spielen dabei eine zentrale Rolle. Denn insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen können begrenzte Ressourcen, Informationsdefizite, fehlende Netzwerke oder administrative Anforderungen dazu führen, dass vorhandene Innovationspotenziale nicht ausgeschöpft werden.
Förderung zwischen Anspruch und Wirkung
Der wissenschaftliche Teil des Papiers ordnet ein, unter welchen Bedingungen öffentliche Innovationsförderung begründet werden kann und welche Herausforderungen ihre Ausgestaltung prägen. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Markt-, System- und Transformationsversagen. Sie können erklären, warum Innovationsaktivitäten nicht immer im gesamtwirtschaftlich wünschenswerten Umfang stattfinden oder warum Unternehmen Schwierigkeiten haben, neues Wissen, Technologien und Kooperationsmöglichkeiten eigenständig zu nutzen.
Zwei Programme aus der Förderpraxis
Der Praxisteil richtet den Blick auf zwei Förderprogramme, die der DLR Projektträger für das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie umsetzt und gemeinsam mit dem Auftraggeber weiterentwickelt: die „Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF)“ und „Mittelstand-Digital“. Beide Programme verfolgen unterschiedliche Ansätze, richten sich aber auf ein gemeinsames Ziel: die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands zu stärken.
Die IGF setzt bei vorwettbewerblicher Forschung und dem Transfer von Forschungsergebnissen in die mittelständische Praxis an. „Auf diese Weise reagiert die IGF auf mehrere typische Hemmnisse, die gerade kleine und mittlere Unternehmen im Innovationsprozess betreffen. Sie senkt organisatorische Zugangshürden, entlastet KMU bei begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen und erleichtert den Zugang zu wissenschaftlichem Know-how sowie zu Informationen über neue technologische Entwicklungen“, erklärt Judith Hellhake, Abteilungsleiterin Innovationen im Mittelstand beim DLR Projektträger und verantwortlich für das Förderprogramm Industrielle Gemeinschaftsforschung.
Dr. Sven Nußbaum, Abteilungsleiter Digitale Transformation Mittelstand und beim DLR Projektträger für das Förderprogramm Mittelstand-Digital verantwortlich, ergänzt: „Auch die Förderpraxis selbst muss lernfähig bleiben. Im Zuge der bundesweiten, breiten Unterstützung von KMU durch das Transfernetzwerk Mittelstand-Digital und einer immer schnelleren digitalen Transformation müssen Schwerpunkte und Themen immer wieder übergreifend angepasst werden. Dazu haben wir beim DLR Projektträger fachliche Ansprechpartnerinnern und Ansprechpartner für alle Projekte und relevanten Stakeholder, die in Abstimmung mit dem Auftraggeber, dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, immer wieder neue Impulse setzen, die Arbeitspläne der Projekte anpassen und somit flexibel das Netzwerk steuern.“