Risiko Waldbrand: Wie Forschung und Klimaanpassung Wälder schützen können
13.08.2026 — Im Sommer 2025 wurden über 2.600 Hektar Wald in Deutschland vernichtet und damit mehr als dreimal so viel wie im Mittel der vorangegangenen 33 Jahre. Die meisten Brände werden – vorsätzlich oder unbeabsichtigt – durch Menschen verursacht. Klimawandel, Natur(nutzungs)veränderungen und Extremwetterlagen wie Dürren begünstigen deren Entstehung und Ausbreitung. Verstärkend wirken Kombinationen aus anhaltender Hitze, extremer Trockenheit bzw. fehlendem Niederschlag, niedrigem Bodenfeuchtegehalt und geringer Luftfeuchtigkeit sowie Wind.
Drei Projekte, die der Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit des DLR Projektträgers im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) betreut, befassen sich mit dem Thema:
Luftschadstoffe in der Atmosphäre
Bei Waldbränden werden nicht nur große Mengen an Kohlenstoffdioxid (CO₂) freigesetzt, sondern auch Feinstaub, Rauchpartikel und Spurengase. Diese Aerosolpartikel gelangen in die Atmosphäre und beeinflussen die Wolken- und Niederschlagsbildung. Weiterhin beeinflussen sie den Strahlungstransport der Atmosphäre, verändern somit die Strahlungsbilanz der Erde und folglich auch das Klima.
Die paneuropäische Forschungsinfrastruktur ACTRIS (Aerosols, Clouds and Trace Gases Research Infrastructure) misst und erforscht diese Prozesse. ACTRIS-D, der deutsche Beitrag, dessen Aufbau durch den DLR-Projektträger betreut wird (86 Mio. €, 2021-2029), ist mit seinen Messeinrichtungen ein zentraler Bestandteil des Beobachtungsnetzwerkes, misst den Zustand der Atmosphäre und erfasst über die Langzeitbeobachtungen die atmosphärischen Veränderungen. So beobachtet ACTRIS auch die aktuellen Waldbrände und deren Folgen. Mithilfe hochpräziser Messungen wird untersucht, wie sich die Rauchpartikel in der Atmosphäre verhalten, wie lange sie verbleiben und welche Auswirkungen sie auf die Luftqualität, das Klima und die menschliche Gesundheit haben. Die Daten sind entscheidend für Klimamodelle, Frühwarnsysteme und die Umweltpolitik und liefern Erkenntnisse zu den Folgen von Brandereignissen.
Frühwarnung durch energieautarke Sensoren
Neben dem Verständnis der Auswirkungen von Bränden ist es wichtig, diese frühzeitig zu erkennen, um ihre Ausbreitung zu verhindern. Waldbrände sind für einen erheblichen Anteil der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich und verstärken somit die globale Erderwärmung. Gleichzeitig zerstören sie Wälder, die als wichtige CO₂-Speicher eine zentrale Rolle im Klimaschutz einnehmen. Klassische Systeme wie Satelliten oder Kameras erkennen Rauch oft zu spät oder liefern die Daten zeitverzögert. Diese kritischen Lücken in der Frühwarnung ermöglichen es einem Feuer, sich anfangs unbemerkt auszubreiten und somit eine Größenordnung erlangen, die anschließend nur schwer unter Kontrolle zu bringen und einzudämmen ist.
Das vom DLR Projektträger betreute Projekt EHWB (07/2024 –12/2026) der Fördermaßnahme „KMU-innovativ: Energieeffizienz, Klimaschutz und Klimaanpassung“ entwickelt dafür eine Lösung: lichtunabhängige, energieautarke Sensoren, die ihre Energieversorgung aus den natürlichen Temperaturunterschieden eines Tag-Nacht-Zyklus schöpfen und Brände frühzeitig erkennen sollen. Sie können in allen Arten von Wäldern eingesetzt werden und Brände bereits im Anfangsstadium erkennen. Dadurch kann ein Brandgeschehen früher und besser bekämpft werden, sodass sich ökologische und wirtschaftliche Schäden an den Wäldern in Grenzen halten.
Vorausschauende Klimaanpassung – Wasserrückhalt und Kühlung
Neben technischen Lösungen gibt es auch natürliche „Brandschutzmaßnahmen“. Ein weiterer Ansatz zum Schutz der Wälder besteht darin, diese widerstandsfähiger zu machen. Wie das gelingen kann, untersucht das vom DLR Projektträger betreute Projekt IAWAK-EE (Integrierte Anpassungsmaßnahmen für die Region Elbe-Elster) für die dürregefährdete Region Elbe-Elster.
Dort bestehen die Wälder zu einem großen Teil aus Kiefernmonokulturen. Diese haben wenig Unterwuchs, sind lichter und somit durchlässiger für Wind. Außerdem speichern Nadelbaumwälder weniger Feuchtigkeit. Bei extremer Trockenheit kann sich in solchen Wäldern ein Feuer schnell ausbreiten. Um das Risiko von Trockenheit und Waldbränden zu senken, ist ein stabiler und widerstandsfähiger Baumbestand wichtig, bei dem auch der Wasserhaushalt berücksichtigt wird. Gebietsheimische und standortgerechte Laub- und Mischwälder ermöglichen einen dichteren Kronenschirm, dessen höhere Verdunstung im Sommer eine stärkere Kühlung bewirkt. Die erhöhte Versickerung – speziell in den Wintermonaten – führt zu einer erhöhten Grundwasserneubildung und beugt ebenfalls langfristig Trockenheit vor. Aufgrund dieses feuchteren Waldinnenklimas reduzieren diese Wälder die Gefahr von Waldbränden.
Das Projekt wird mit 3 Mio. € vom BMFTR von April 2020 bis Dezember 2028 gefördert und ist Teil der Fördermaßnahme „Regionale Informationen zum Klimahandeln“ (RegIKlim) und stellvertretend für andere dürregefährdete Regionen Deutschlands. Die in der Modellregion gewonnenen Erkenntnisse lassen sich auf andere dürregefährdete Regionen übertragen.
Waldbrände gefährden unsere Ökosysteme und setzen CO₂ frei, schädigen die Luftqualität und bedrohen Menschen und Infrastrukturen. Durch Forschung, Entwicklung und Anwendung neuer, intelligenter Technologien sowie durch eine nachhaltige Gestaltung und Nutzung von Wäldern können die Brandrisiken gesenkt werden. Mit diesen und weiteren von ihm betreuten Fördermaßnahmen leistet der DLR Projektträger einen relevanten Beitrag dazu.