Hitzewellen: Wie Forschung Kommunen resilienter macht
03.08.2026 — Im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) betreut der Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit des DLR Projektträgers unterschiedliche Fördermaßnahmen in den Themenfeldern Klimawandel, Klimaforschung und Klimaanpassung. Drei davon fördern Projekte, die Anpassungsmaßnahmen für resiliente Kommunen und Regionen untersuchen.
Urbane Digitale Zwillinge für schnellere Planung und Entscheidungen
Mit der Förderrichtlinie „Planungsbeschleunigung für die Klimaanpassung mit Urbanen Digitalen Zwillingen“ (2025-2029) werden Fachanwendungen für Urbane Digitale Zwillinge entwickelt. Urbane Digitale Zwillinge sind dynamische, virtuelle Abbilder einer realen Stadt oder eines städtischen Gebiets. Diese integrieren alle digitalen Ressourcen, beispielsweise Daten zu Gebäuden und Grünflächen oder auch Satelliten- und Luftbilder einer Kommune. Zusätzlich lassen sich weitere Elemente wie Echtzeit-Sensordaten zu Temperatur-, Bodenfeuchte- oder Wasserstandsmessungen und weitere Tools ergänzen. Je nach Fragestellung können die Konzepte, Daten und Analysetools zu Fachanwendungen, bzw. Fachzwillingen für die Klimaanpassung miteinander kombiniert werden.
Durch die Verknüpfung von Künstlicher Intelligenz, Big Data und bestehenden kommunalen Dateninfrastrukturen ermöglicht der Urbane Digitale Zwilling (UDZ) „Was-wäre-wenn“-Szenarien wie zum Beispiel „Wie verändert sich die Hitzebelastung in einem Stadtteil, wenn wir mehr Grünflächen und Beschattung durch Bäume schaffen?“
Die Projekte erforschen, wie Kommunen mit den entwickelten Fachzwillingen schneller, fundierter und fachübergreifend planen können. Ziel ist es, einen standardisierten Zugriff zu Fachzwillingen für die Klimaanpassung zu schaffen, die in allen deutschen Kommunen einsetzbar sind und Klimaanpassungsmaßnahmen somit in die breite Praxis überführt.
Besseres Verständnis von Extremwetter
Was sind die Gründe für die Unsicherheit bezüglich der sich ändernden Häufigkeit und Intensität von Wetterextremen? Welche potenziellen Wahrscheinlichkeiten und Risiken gibt es auf regionaler bis lokaler Ebene und welche spezifischen Bedingungen oder Entwicklungen im Klimasystem zeigen ihre veränderte Wahrscheinlichkeit an? Inwieweit bewirken menschliche Aktivitäten eine systematische Veränderung des Auftretens dieser Wetterextreme?
Diese drei Schwerpunktfragen untersucht das interdisziplinäre Forschungsnetzwerk ClimXtreme II, bestehend aus 17 kooperierenden Institutionen und 25 Teilprojekten (erste Phase 2020-2023, zweite Phase 2023-2026). Der Fokus liegt dabei auf Hitzewellen, Starkniederschlägen einschließlich Hagel und Windstürmen. Ziel ist es das wissenschaftliche Verständnis von extremen Wetterereignissen und deren Veränderungen im Klimawandel zu verbessern. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) unterstützt die zweite Phase der Fördermaßnahme mit acht Millionen Euro. In Phase 1 standen 14 Millionen Euro zur Verfügung.
Die aus den Projekten gewonnenen Erkenntnisse sollen für die Praxis besser zugänglich und nutzbar gemacht werden. Ein interdisziplinäres Teilprojekt befasst sich mit der Kommunikation der gewonnenen Erkenntnisse. Eine sogenannte „Post-Event-Assessment Group“ (PostAG) analysiert aktuell auftretende Extremereignisse und veröffentlicht die Ergebnisse zeitnah. Der Austausch zwischen Forschenden und Praxisakteuren zu den Forschungsergebnissen und -daten ermöglicht die Planung und Entscheidungsprozesse für Anpassungsmaßnahmen.
Lokale Strategien
Lokale Strategien sind notwendig, da sich die Kommunen und Regionen in Deutschland hinsichtlich ihrer heutigen und zukünftigen Klimaänderungen, sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen, Landnutzungsformen sowie Topographien und Naturräumen unterscheiden. Deshalb sind auch die Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels regional und lokal unterschiedlich.
Die BMFTR-Fördermaßnahme RegIKlim erforscht regionale Lösungen für klimaresilientere Kommunen. Seit 2020 bündeln acht Forschungsprojekte ihr Wissen und haben bereits Empfehlungen herausgegeben, die sich an Kommunen, Bund und Länder sowie Forschungseinrichtungen und Forschungsförderer richten. Wichtig dabei ist, dass diese konkreten Handlungsempfehlungen auch weiteren Regionen und Kommunen zur Verfügung gestellt werden. Die Fördermaßnahme, für die insgesamt rund 35 Millionen Euro bereitstehen, befindet sich aktuell in der zweiten Phase, die noch bis Ende 2026 laufen wird, die abschließende Implementierungsphase wird derzeit vorbeitet. Zentrale Botschaften sind:
- Regionalisierte Klimadaten und -informationen sowie mögliche Handlungsanleitungen werden von Forschung für Praxis und öffentliche Einrichtungen bereitgestellt.
- Klimaanpassungsmaßnahmen müssen konsequent in Planungs- und Genehmigungsverfahren integriert werden.
- Klimaanpassung muss Ämter- und Bereichsübergreifend angelegt werden.
Diese und weitere vom DLR Projektträger betreuten Fördermaßnahmen verdeutlichen: Forschung zu Klimawandel, Klimaschutz und Klimaanpassung ist eine zwingende Voraussetzung für handlungsfähige, zukunftssichere und resiliente Kommunen und Regionen. Die durch die Projekte gewonnenen Erkenntnisse, Werkzeuge und Handlungsempfehlungen sind wichtige Grundlagen für die Planungs- und Entscheidungspraxis. Durch die Einbindung wissenschaftlich fundierter Daten und Methoden in kommunale Prozesse kann Klimaanpassung wirksam, nachhaltig und flächendeckend geplant und umgesetzt werden.