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Demokratiebildung neu denken: die Unterhausdebatte des DLR Projektträgers
11.02.2026 — In einer hybriden Veranstaltungsreihe widmet sich der DLR Projektträger aktuell zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Nach dem Auftakt zum Thema Künstliche Intelligenz vor einigen Wochen stellte er am 10. Februar 2026 Demokratiebildung zur Diskussion.
Populismus, Polarisierung, gezielte Desinformation sowie Hass und Hetze im Netz führen dazu, dass Demokratien weltweit unter Druck geraten. Auch gesellschaftlicher Wandel und technologische Transformation fordern sie heraus. Doch wie lässt sich die Erfolgsgeschichte der Demokratie in Deutschland fortschreiben und ihre Krisenfestigkeit durch Demokratiebildung stärken?
Eine Unterhausdebatte als Kern des Veranstaltungsprogramms am 10. Februar, zeigte sehr unterschiedliche Ansätze, Demokratiebildung neu zu denken. Engagiert diskutierten die Gäste über Zielgruppen, Formate und Orte von Demokratiebildung – vor dem Hintergrund, dass KI und Online-Plattformen unsere Meinungsbildung und Debattenkultur derzeit grundlegend verändern.
Viele verschiedene Perspektiven auf Demokratiebildung
Zum Auftakt des Events, das auch im Livestream übertragen wurde, würdigte Thomas Heppener, Leiter der Unterabteilung 10 des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend die vielfältigen Perspektiven auf Demokratiebildung, die der DLR Projektträger im Rahmen der Veranstaltung zusammenbringen konnte.
Ein Impulsvortrag von Dr. Désirée Kleiner-Liebau und Dr. Cedric Janowicz des DLR Projektträgers leitete die Debatte aus Geistes- und sozialwissenschaftlicher Perspektive ein: „Westliche Demokratien stecken in der Krise“, stellte Janowicz fest. „Digitale Technologien und soziale Netzwerke bieten hier neue Chancen, stellen unsere Gesellschaft aber auch vor Herausforderungen.“
Désirée Kleiner-Liebau erklärte, was gemeint ist, wenn Bildungsforschung und -praxis von Demokratiebildung sprechen und stellte klar: „Demokratiebildung ist nicht ‚Feuerwehr‘ in Krisenzeiten, sondern langfristige Daueraufgabe, die es zu stärken und stetig fortzuentwickeln gilt.“
Die interaktive Unterhausdebatte, an der sich alle Gäste beteiligen konnten, offenbarte spannende Standpunkte. Das Prinzip des Formats: Immer wieder bat das Moderationsteam – Susan Schädlich und Michael Stang – darum, eine Frage mit „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten und sich auf der entsprechenden Seite im Raum zu platzieren. Einzelne Gäste erläuterten ihre Entscheidung; alle konnten nach Anhören der Argumente jederzeit die Seite wechseln. Vorher ausgewählte Fachleute wurden um inhaltliche Impulse oder Erklärungen gebeten.
Stimmen aus der Unterhausdebatte
Während der Diskussion über die „Räume der Demokratiebildung“ wurde deutlich, dass demokratische Schulentwicklung mit Blick auf den Ganztagsausbau ein wichtiges Thema ist. Dr. Astrid Fischer, Geschäftsleiterin Bildung, Gender des DLR Projektträgers, sagte: „Neben den formalen Bildungsangeboten schaffen die unterschiedlichen Formate im Ganztag Möglichkeiten der Öffnung von Schule und damit Begegnungen und Kooperationen mit außerschulischen Akteurinnen und Akteuren, mit Vereinen und zivilgesellschaftliche Initiativen.“ Der Historiker Prof. Till van Rahden von der Universtität Montréal ergänzte mit einem Video-Input: „Demokratische Lebensformen können gerade in analogen Räumen eingeübt werden. Es sind alltägliche Erfahrungen von Freiheit und Gleichheit – zum Beispiel in Kindergarten und in der Schule.“
Oliver Sartorius, Direktor Politikforschung von infratest dimap, erläuterte, wie öffentlich ausgetragener Streit sich auf das Vertrauen in demokratische Institutionen auswirkt: „Streit innerhalb von Regierungsparteien wird oft als negativ wahrgenommen – weil er mit Schwäche, Kontrollverlust und mangelnder Lösungskompetenz assoziiert wird.“
Pia Francke, Juniorbotschafterin (YouBo) für den Bundeswettbewerb „Demokratisch Handeln“, betonte, dass Demokratiebildung eine Querschnittsaufgabe sei und alle erreichen müsse – nicht nur die junge Generation.
Während der Diskussion über das Zusammenspiel von Wirtschaft und Demokratie sagte Philipp-Leo Mengel von der Bocconi Universität Mailand: „In Regionen, die wirtschaftlich abgehängt und vom industriellen Strukturwandel negativ betroffen sind, wächst der Zuspruch für Populismus.“ Eine starke wirtschaftliche Entwicklung sei somit wichtige Grundlage für stabile Demokratien.
Vielfältiges Rahmenprogramm rund um Demokratiebildung
Nach der Unterhausdebatte hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich an Infoständen mit Bezug zu Demokratiebildung zu informieren und ins Gespräch zu kommen. Hier präsentierten sich der Bundeswettbewerb „Demokratisch Handeln“, die Plattform für innovative Netzwerke in der Kultur „PINK“ sowie der Künstler Nikolaus Koliusis mit Videos seiner Werke zum Thema Demokratie.
Der DLR Projektträger setzt sich in unterschiedlichen Projektträgerschaften und Programmen für die schulische Bildung ein. Beispiele dafür sind die Kompetenzzentren für digitales und digital gestütztes Unterrichten in Schule und Weiterbildung, das Programm „Schule macht stark“ oder die Begleitung des Digitalpakts Schule sowie des Startchancenprogramms.
Auch Demokratieförderung, Engagement, Partizipation und Chancengerechtigkeit sind wichtige Querschnittsthemen von Programmen, die der DLR Projektträger im Auftrag von Ministerien managt – etwa bei „Bildung in Regionen“, „Bildung für nachhaltige Entwicklung“,„Kultur macht stark“ oder „Chancengerechtigkeit und Vielfalt in Wissenschaft und Forschung“. Im Rahmenprogramm Geistes- und Sozialwissenschaften des Bundesforschungsministeriums, in dem der DLR Projektträger seit 2007 engagiert ist, geht es um „aktuelle und künftige Herausforderungen demokratischer Gesellschaften“.