Titel
One Health
Infektionserreger kennen keine Grenzen: Ob Vogelgrippe, Affenpocken oder Atemwegserkrankungen – immer häufiger breiten sich Keime aus und führen zu regionalen oder internationalen Infektionsausbrüchen. Eingriffe des Menschen in die Lebensräume von Tieren, weltweite Mobilität und intensive Nutztierhaltung sind nur einige Gründe für das vermehrte Auftreten und die rasche Ausbreitung solcher Erkrankungen. Gleichzeitig nehmen antimikrobielle Resistenzen (AMR) zu – die Fachwelt spricht von einer „stillen Pandemie“.
Umso wichtiger ist es, auf zukünftige Infektionsausbrüche besser vorbereitet zu sein, sie rechtzeitig zu erkennen und im besten Fall früh einzudämmen. Damit dies gelingen kann, nimmt die Forschung die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt gemeinsam in den Blick. Dafür steht der One-Health-Ansatz.
Nationales Engagement: Pandemien im Blick
Unter Federführung des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) haben sich sechs Bundesministerien zusammengeschlossen, um diesen Ansatz mit der „Forschungsvereinbarung One Health“ zu stärken. Der DLR Projektträger ist aktiv am Herzstück der Forschungsvereinbarung beteiligt: der Umsetzung einer nationalen Forschungsplattform für One Health, mit dem Ziel, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler deutschlandweit zu vernetzen.
Flankierend zu den Aktivitäten der Forschungsplattform ist der DLR Projektträger beauftragt, die Förderrichtlinie für Forschungsverbünde zum Thema Pandemieprävention und -reaktion zu konzipieren und umzusetzen: Während der Konzeptionsphase wurden standardisierte Interviews mit Expertinnen und Experten geführt und die Ergebnisse zur Ausgestaltung der Förderrichtlinie genutzt. In der Umsetzung wurden die Antragsstellenden durch unsere Wissenschaftlichen Referentinnen und Referenten beraten. Wir organisierten ein internationales Begutachtungsverfahren und übernehmen nun das fachliche und administrative Controlling der geförderten Projekte. Zukünftig werden sieben größere Forschungsverbünde für bis zu fünf Jahre gefördert. Geforscht wird zu Influenza und AMR, zur Ausbreitung von Erregern in der Landwirtschaft sowie zu Erregern, die durch lebende Organismen wie beispielsweise Mücken oder Zecken übertragen werden. Die ersten beiden Verbünde sind im Herbst 2025 gestartet. Die geförderten Forschungsverbünde werden sich aktiv an der Forschungsplattform One Health beteiligen.
Internationales Engagement: Pandemien kennen keine Grenzen
Pandemievorsorge kann nur gelingen, wenn Länder über Grenzen hinweg in Forschung und Entwicklung zusammenarbeiten. Hier setzen die beiden Europäischen Partnerschaften One Health AMR und BE READY NOW aus dem EU-Forschungsrahmenprogramm Horizont Europa an, an denen der DLR Projektträger im Auftrag des BMFTR für die nächsten zehn Jahre beteiligt ist. Die Europäische Partnerschaft BE READY NOW fokussiert sich auf die Forschung zu neuen und wiederauftretenden Erregern mit Pandemiepotenzial. Der Beginn von BE READY NOW ist für Anfang 2026 geplant. Die Partnerschaft One Health AMR hat bereits im Juni 2025 ihre Arbeit aufgenommen und hat Infektionen mit resistenten Erregern im Blick.
In beiden Partnerschaften sind jährliche länderübergreifende Ausschreibungen geplant. Der DLR Projektträger konzipiert diese Ausschreibungen fachlich mit und ist zum Teil federführend für ihre Umsetzung verantwortlich. Außerdem beraten unsere Wissenschaftlichen Referentinnen und Referenten Forschende aus Deutschland bei der Antragsstellung und sind an der Begutachtung sowie der Umsetzung der Projekte maßgeblich beteiligt. Darüber hinaus übernehmen wir in der One Health AMR Partnerschaft federführend das Arbeitspaket, in dem Synergien mit internationalen und europäischen Initiativen geschaffen werden sollen.
Im November 2025 startete die erste länderübergreifende Ausschreibung der One Health AMR Partnerschaft. Mit einem Budget von insgesamt mehr als 28 Millionen Euro werden Forschungsverbünde gefördert, die Infektionen mit resistenten Bakterien und Pilzen untersuchen. Für BE READY NOW soll die erste Ausschreibung im Januar 2026 zum besseren Verständnis von Infektionskrankheiten mit Pandemiepotential veröffentlicht werden.