PT-Forum 2026: Impulse für das Innovationssystem
19.06.2026 — Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft tauschen sich ab heute im Axica Berlin über die Zukunft des Innovationsstandorts Deutschland aus und diskutieren dazu aktuelle Herausforderungen der Forschungs- und Innovationsförderung.
„Projektträger waren an den Vorarbeiten der Hightech Agenda Deutschland beteiligt. Jetzt stehen wir für den nächsten Schritt bereit: eine Arbeitsstruktur, in der praktische Verfahren gemeinsam und innovativ weiterentwickelt werden“, sagt Klaus Uckel, Sprecher des Netzwerks der Projektträger und Vorsitzender der Geschäftsleitung des DLR Projektträgers. „Die Projektträger haben das Wissen, die Erfahrung und Instrumente, um Innovationsprozesse zu beschleunigen: Mit schlanken Verfahren, die Invention und Innovation früh und agil verbinden, wollen wir unseren Beitrag leisten, das Innovationssystem erfolgreicher, zukunftssicherer und souveräner zu machen. Dazu brauchen wir Überjährigkeit, Selbstbewirtschaftungsmittel und eine echte Digitalisierung, die über elektronische Antragssysteme und die E-Akte als reines Dokumentationssystem hinausgeht.“
10 Milliarden Euro für Deutschlands Zukunftsfähigkeit
Projektträger setzen im Auftrag von Bundesministerien und weiteren Partnern Förderprogramme für Forschung, Innovation und Transformation um. Das bundesweite Netzwerk vereint 13 Anbieter mit mehr als 5.000 Mitarbeitenden und einem betreuten Fördervolumen von über zehn Milliarden Euro pro Jahr. Gemeinsam gestalten sie die Schnittstelle zwischen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft und zählen zu den zentralen Akteuren im deutschen Innovationssystem.
„Projektträger sorgen dafür, dass Fördermittel dort wirken, wo Zukunftstechnologien entwickelt, neue Geschäftsmodelle aufgebaut und Innovationen marktfähig werden“, sagt Christine Weiß, Geschäftsführerin des Projektträgers VDI/VDE-IT, der das Forum in diesem Jahr ausrichtet. „Damit leisten wir einen konkreten Beitrag zu Wachstum, technologischer Wettbewerbsfähigkeit und industrieller Transformation.“ Weiß betont die Dynamik der Branche: „Projektträger stehen im Wettbewerb und entwickeln ihre Leistungen kontinuierlich weiter. Diese Verbindung aus Erfahrung, technologischer Expertise und Veränderungsbereitschaft ist ein wichtiger Faktor für einen leistungsfähigen Innovationsstandort. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz helfen uns dabei, Prozesse effizienter, serviceorientierter und zugleich qualitativ hochwertig weiterzuentwickeln.“
Begrüßungsrede des Sprechers des Netzwerks der Projektträger
Klaus Uckel, Vorsitzender der Geschäftsleitung, DLR Projektträger
1. Die Rolle der Projektträger – oft unsichtbar, aber entscheidend
Die Projektträger in Deutschland sind ein tragendes Element der deutschen Innovationsarchitektur.
Wir sind Schnittstelle. Wir sind Übersetzer. Wir sind Umsetzer und was wir besonders lieben, Möglichmacher.
Wir begleiten Förderprogramme von der Idee bis zum letzten Verwendungsnachweis im Projekt stets unter der Beachtung des Primats der Politik.
Wir sorgen dafür, dass öffentliche Mittel nicht nur bewilligt, sondern wirksam eingesetzt werden.
Und wir tun dies in einem System, das bewusst auf Rechtssicherheit, Transparenz und Wettbewerb ausgelegt ist.
2. Hightech Agenda Deutschland – Anspruch und Realität der Umsetzung
Die Hightech Agenda Deutschland setzt einen klaren politischen Rahmen für Schlüsseltechnologien und strategische Forschungsfelder: Deutschland will technologisch souveräner werden, innovationsstärker, schneller und international wettbewerbsfähiger.
Das ist ein richtiger und wichtiger Anspruch. Denn die großen Zukunftsfelder – von KI über Quantentechnologien bis hin zur klimaneutralen Mobilität – entscheiden darüber, wie unser Land in zehn, zwanzig Jahren wirtschaftlich und gesellschaftlich dastehen wird.
Aber zwischen dieser strategischen Zielsetzung und der tatsächlichen Wirkung in Laboren, Start-ups, Mittelstand und Großindustrie liegt ein komplexer Umsetzungsprozess.
Motor dieses Prozesses sind die Projektträger.
Wir übersetzen politische Programme in konkrete Förderlogiken.
Wir strukturieren Verfahren.
Wir begleiten Projekte inhaltlich und administrativ durch ihre gesamte Laufzeit.
Wir prüfen rechtssicher.
So sichern wir den Erfolg der Förderung im engen Dialog mit Zuwendungsgeber und Zuwendungsempfänger.
Kurz gesagt:
Die Hightech Agenda definiert die Richtung – die Projektträger sorgen dafür, dass Bewegung entsteht.
3. Das Spannungsfeld: Bürokratie, Verantwortung und Missverständnisse
Dabei bewegen wir uns in einem Spannungsfeld, das uns alle hier gut bekannt ist.
Auf der einen Seite steht der berechtigte Anspruch auf möglichst unbürokratische Förderung.
Auf der anderen Seite stehen die rechtlichen Rahmenbedingungen des Haushalts-, Vergabe- und Beihilfenrechts.
Und in diesem Spannungsfeld entsteht häufig ein Missverständnis:
Die Projektträger werden mit Bürokratie identifiziert.
Aber wir sind nicht die Regelsetzer. Wir sind die Regelanwender.
Und wir setzen diese Regeln mit größtmöglicher Effizienz im Sinne des Projekterfolges um – innerhalb dessen, was rechtlich möglich ist.
4. Wettbewerb, Effizienz und Realität der Projektträger
Seit der strukturellen Neuordnung im Jahr 2011 agieren Projektträger im Wettbewerb.
Freihändige Vergaben wurden abgeschafft. Leistungen werden ausgeschrieben. Aufträge müssen gewonnen werden.
Das bedeutet ganz konkret:
Wir stehen im Wettbewerb mit unseren Angeboten.
Und dieser Wettbewerb entscheidet sich – wie in jedem Markt – über Leistungsfähigkeit und Preis.
Wer hier erfolgreich sein will, muss effizient arbeiten.
Deshalb ist es ein Missverständnis zu glauben, Bürokratie sei unser Geschäftsmodell.
Das Gegenteil ist der Fall.
Der überwiegende Teil unserer Verträge sind heute Festpreisverträge.
Jeder zusätzliche administrative Aufwand bringt für uns keinen Ertrag – sondern Kosten.
Das heißt: Wir haben ein eigenes, sehr starkes Interesse daran, Prozesse schlank zu halten.
Und wir tun das auch.
Wo immer Spielräume bestehen, werden sie genutzt.
Wo Digitalisierung hilft, wird sie eingesetzt.
Wo Vereinfachung möglich ist, wird sie vorgeschlagen.
5. Projektträger als Sensoren des Systems
Ein oft unterschätzter Punkt ist unsere Rückkopplungsfunktion.
Projektträger sind nicht nur Umsetzer.
Wir sind auch Sensoren.
Wir sehen täglich, wo Förderlogiken in der Praxis gut funktionieren – und wo nicht.
Wir erleben unmittelbar, wo Verfahren unnötig komplex werden.
Und wir bündeln diese Erfahrungen und geben sie an die Ministerien weiter.
Nicht abstrakt. Sondern aus der Realität tausender Verfahren heraus.
Damit sind Projektträger ein zentraler Bestandteil der Weiterentwicklung des Fördersystems.
6. Reformdebatte: Ein System, das sich selbst trägt
Immer wieder wird die Frage gestellt, ob Projektträger reformiert werden müssten.
Die ehrliche Antwort ist: Über Effizienz, Digitalisierung und Prozessinnovation können Projektträger sich nur im Rahmen des Systems selbst weiterentwickeln.
Und zwar nicht theoretisch, sondern ganz praktisch und sogar strukturell.
Aber die entscheidenden Stellschrauben liegen dort, wo die Regeln entstehen und wo sich das System verändert.
Und deshalb ist der wichtigste Reformhebel nicht eine abstrakte Neuorganisation der Projektträger.
Sondern die Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen, in denen wir arbeiten.
7. SPRIND als Beispiel für neue Wege
Es gibt in diesem Zusammenhang positive Beispiele.
Die SPRIND zeigt, dass es möglich ist, Förderlogiken flexibler, experimenteller und agiler zu gestalten.
Dort, wo bewusst größere Handlungsspielräume geschaffen werden, entstehen neue Möglichkeiten – für schnellere Entscheidungen, für mehr Mut zur Innovation und für weniger Reibungsverluste.
Solche Ansätze sind kein Gegensatz zu Rechtssicherheit.
Sie sind eine Weiterentwicklung davon.
Und sie zeigen: Wenn der Rahmen stimmt, kann Verwaltung auch Ermöglichung sein.
8. Ein Appell an Politik und Auftraggeber
Deshalb ist unser heutiger Appell klar:
Wenn Sie von uns mehr Geschwindigkeit erwarten, dann brauchen wir die entsprechenden Instrumente.
Wenn Sie von uns mehr Agilität erwarten, dann brauchen wir rechtliche Spielräume, die Agilität zulassen.
Wenn Sie von uns weniger Bürokratie erwarten, dann müssen wir gemeinsam an den Ursachen arbeiten – nicht nur an den Symptomen.
Und vor allem:
Reden Sie mit uns.
Nicht nur über uns.
Alle bisherigen Anhörungen im Deutschen Bundestag zum Thema Projektträger und Bürokratieabbau fanden ohne die Projektträger statt.
Das ist kein Vorwurf.
Aber es ist eine verpasste Chance.
Denn niemand kennt die operative Realität besser als diejenigen, die sie täglich gestalten.
9. Schluss: Gemeinsame Verantwortung für Innovation
Lassen Sie mich zum Schluss den Bogen zurück zur Hightech Agenda schlagen.
Deutschland hat sich ambitionierte Ziele gesetzt. Und das ist gut so. Aber Ambition allein reicht nicht.
Es braucht Umsetzungskraft.
Es braucht ein Fördersystem, das nicht nur korrekt ist, sondern wirksam.
Und es braucht Akteure, die diese Umsetzung jeden Tag leisten.
Die Projektträger sind genau solche Akteure.
Nicht als Selbstzweck.
Nicht als Verwaltungsebene.
Sondern als Teil der deutschen Innovationsfähigkeit.
Wenn wir also über die Zukunft der Innovationspolitik sprechen, dann sprechen wir immer auch über die Frage, wie gut wir gemeinsam Umsetzung organisieren.
Die Hightech Agenda zeigt uns, wohin wir wollen.
Die Projektträger tragen dazu bei, dass wir auch dort ankommen.
Und deshalb ist mein letzter Satz ein einfacher:
Reden Sie mit uns.
Trauen Sie sich.
Wir sind bereit.