PISA-Studie: Basiskompetenzen und Chancengerechtigkeit stärken
24.09.2026 — Das Bildungssystem in Deutschland steht vor vielen Herausforderungen. Eine veränderte Mediennutzung durch künstliche Intelligenz sowie steigender Fachkräftebedarf und demografischer Wandel zählen ebenso dazu wie der Effekt der sozialen Herkunft. Wie die PISA-Studie 2025 einmal mehr verdeutlicht, ist dieser beim Thema Bildung in Deutschland besonders stark ausgeprägt.
Vor Kurzem hatte der DLR Projektträger Anja Meierkord, PIAAC-Analystin und Expertin für Erwachsenenbildung bei der OECD als Vortragende zum Gesprächsformat „Meet-the-Expert“ des Rahmenprogramms empirische Bildungsforschung eingeladen: Im „Transfer-Dialog 14“ vergleicht Meierkord die Ergebnisse von PISA 2022 mit PIAAC – auch bekannt als „Erwachsenen-PISA“. Während in Deutschland die schulischen Leistungen der Fünfzehnjährigen schon laut PISA 2022 in Mathematik und Lesen merklich gesunken sind, zeigt PIAAC ein anderes Bild für die Grundkompetenzen der Erwachsenen im Alter von 16 bis 65 Jahren: Laut PIAAC sind insbesondere die Kompetenzen der jüngeren Menschen genau in diesen Bereichen vergleichsweise hoch und über die letzte Dekade stabil geblieben.
Transfer-Dialog Folge 14: Meet-the-Expert zum Thema „Bildung in unterschiedlichen Lebensphasen: Was PISA und PIAAC übereinstimmend zeigen und was nicht“ - BMBFSFJ Empirische Bildungsforschung
Woran liegt das und wie gut lassen sich die beiden Studien vergleichen? Was bedeutet das für unser Bildungssystem und wie kann Bildung gerechter werden? Im Transfer-Dialog reflektiert Anja Meierkord die PIAAC-Ergebnisse im Kontext von PISA und diskutiert mögliche Weiterentwicklungen der Erhebungen. Eine wichtige Erkenntnis der Expertin: „Die Übereinstimmung der PISA- und PIAAC-Ergebnisse nimmt mit zunehmendem Alter ab. Das unterstreicht, wie wichtig Erwachsenenbildung ist.“
Zudem hebt Meierkord hervor, dass eine strukturelle Verknüpfung beider Studien in Zukunft erlauben sollte, bessere statistische Schlussfolgerungen darüber zu ziehen, wie sich Kompetenzen im Lebensverlauf entwickeln.
Die Transfer-Dialoge sind vom DLR Projektträger umgesetzte Gesprächsrunden zu aktuellen Bildungsfragen im Rahmenprogramm empirische Bildungsforschung des BMBFSFJ. Der DLR Projektträger konzipiert die Dialoge, recherchiert Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner aus Wissenschaft, Bildungsadministration und Bildungspraxis und moderiert das Format.
Kurzinterview zum Thema Basiskompetenzen: Warum sind sie so wichtig?
Basiskompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen – aber auch: digitales Verständnis, Kommunikation und Selbstregulation sind wesentlich für Teilhabe und Selbstbestimmung sowie einen chancengerechten und erfolgreichen Bildungs- und Berufsweg. „Wenn das Fundament nicht stabil ist, wackelt alles, was danach kommt – wie beim Hausbauen“ sagt Dr. Sofie Henschel vom Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen in einem weiteren Interview, das der DLR Projektträger für das Rahmenprogramm empirische Bildungsforschung durchgeführt hat: In dem Format „5 Fragen an“ zitiert Henschel aktuelle Forschungsergebnisse, die zeigen, dass sich die gezielte Förderung in frühen Bildungsinstitutionen wie Kita und Grundschule, aber auch der Familie, langfristig positiv auf den schulischen Erfolg, die soziale Integration und berufliche Perspektiven auswirken. Warum das so ist und weshalb Basiskompetenzen eigentlich so wichtig sind, erklärt sie im Interview.
Für mehr Bildungsgerechtigkeit: das Startchancen-Programm
Mit dem 2024 begonnenen Startchancen-Programm möchten Bund und Länder den Bildungserfolg von der sozialen Herkunft entkoppeln und für mehr Chancengerechtigkeit sorgen. Dabei geht es nicht nur um finanzielle Unterstützung des Bundes, sondern auch um systemische Veränderungen und eine stärkere Leistungsfähigkeit des Bildungswesens. Etwa 4.000 Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler werden mit dem Startchancen-Programm gezielt gefördert.
Der DLR Projektträger wirkt im Auftrag des BMBFSFJ intensiv bei der Programm-Governance, der Gestaltung der Schnittstelle zu den Bundesländern sowie an der wissenschaftlichen Begleitung des Programms mit. „Wir freuen uns, unsere interdisziplinäre Expertise einzubringen und zur erfolgreichen Umsetzung des Programms beizutragen“, sagt Dr. Katharina Schlag, Abteilungsleiterin Qualitätsentwicklung in Schule und Hochschule beim DLR Projektträger. „Im Übergang zum mittlerweile dritten Programmjahr ist zu beobachten, wie wichtige Maßnahmenbereiche Schritt für Schritt bearbeitet werden und ineinander greifen. Qualifizierungsangebote, die die wissenschaftliche Begleitung federführend umsetzt, machen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse für die Praxis nutzbar.“
In allen Bundesländern werden mit dem Startchancen-Programm gezielte Maßnahmen der Schul- und Unterrichtsentwicklung umgesetzt. Diese nehmen insbesondere die Basiskompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen in den Blick – laut PISA-Studie Bereiche, in denen deutsche Schülerinnen und Schüler noch deutliches Entwicklungspotenzial haben.
Das Programm sieht das Zusammenspiel von Einzelmaßnahmen als Werkzeug für systemische Veränderungen. Um diese zu erreichen, ist Startchancen als „Lernendes Programm“ angelegt, in dem aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen in der Gesamtsteuerung berücksichtigt werden. Zur Unterstützung der Zusammenführung aller programmrelevanten Daten und Informationen hat der DLR Projektträger ein umfassendes digitales Datenmanagement- und Monitoring-System entwickelt. Dazu nutzt er die große Erfahrung seines Fachbereichs Bildung, Gender und der Service-Abteilung IKT-Softwareentwicklung. Für mehr Sichtbarkeit und Breitenwirkung beraten die Fachleute des DLR Projektträgers Bund und Länder bei der Öffentlichkeitsarbeit zum Startchancen-Programm und begleiten Veranstaltungen, Fachgremien sowie Arbeitsgruppen.