Foresight-Workshop nimmt Ukraines F&I-Zukunft in den Blick
29.07.2026 — Ukrainischen Partnern die Themen Strategische Vorausschau, Wissenschaftsdiplomatie, Wissenschaft- und Unternehmenskooperation sowie Forschungsmanagement näherbringen – darum geht es im Knowledge Hub des europäischen LUKE-Projekts. Am 22. und 23. Juli 2026 führte der DLR Projektträger, der das Projekt und den Hub koordiniert, einen internationalen Strategic-Foresight-Workshop am SOLARIS National Synchrotron Radiation Centre in Krakau durch. Mit dabei: 22 Expertinnen und -experten aus der Ukraine, darunter fünf aus der ukrainischen Diaspora. Ihr Ziel: Strategische Prioritäten für die ukrainische F&I-Landschaft bis 2035 entwickeln.
Zunächst erarbeiteten die Gruppen mögliche Folgewirkungen zentraler Trends. Am zweiten Tag formulierten sie ihre Analyseergebnisse in strategische Ansätze um. Dabei brachte der DLR Projektträger die „Three Horizons“-Methode zum Einsatz, die den Weg von der Gegenwart zu einem gewünschten Zukunftsbild in drei Phasen abbildet: heutiges System, laufende Übergangsinitiativen und angestrebtes F&I-System 2035. In Gruppen ordneten die Teilnehmenden ihre Erkenntnisse diesen drei Phasen zu.
Vier Prioritäten für die Zukunft der ukrainischen Forschung
Daraus ergaben sich vier Prioritätsthemen, die skizzieren, was eine künftige Forschungs- und Innovationsagenda für die Ukraine beinhalten könnte:
- Talent, Arbeitskräfte und Wissenskontinuität
- KI und die veränderte Natur der Forschungsarbeit
- Internationale Position und Governance der ukrainischen Forschung
- Forschungsförderung, Infrastruktur und Innovationswirtschaft
Über alle vier Felder hinweg erwies sich der „Brain Drain“ als aktueller Treiber: Abwandernde Forschende entziehen dem System gleichzeitig Lehrkapazität, Forschungstiefe, Wirtschaftsleistung und Wissenskontinuität. Dass die EU-Integration schneller voranschreitet, als die Ukraine die nötigen nationalen Institutionen aufbauen kann, um in die EU aufgenommen zu werden, verschärft die Lage.
Der Wiederaufbau des ukrainischen Forschungssystems entscheidet sich nicht erst nach dem Krieg, sondern in den Weichenstellungen, die jetzt getroffen werden.
Strategische-Vorausschau-Methoden für den Wiederaufbau
Der Workshop in Krakau war Teil des EU-finanzierten LUKE-Projekts, in dem der DLR Projektträger die ukrainische Wissenschaftscommunity beim Aufbau eines zukunftsfähigen Forschungssystems begleitet. Strategische Vorausschau spielt dabei eine Schlüsselrolle: Sie öffnet den Blick über den akuten Krisenmodus hinaus und macht Zielbilder für 2035 verhandelbar, bevor Förderentscheidungen und Reformen sie faktisch festlegen. So entstehen Prioritäten, die von den ukrainischen Akteuren selbst getragen und nicht von außen festgelegt werden. Ein Beispiel dafür ist der Wiederaufbau international anerkannter Forschungsinfrastrukturen in der Ukraine, die teilweise europaweit führend sein könnten. Ein weiteres Zielbild, das im Workshop erarbeitet wurde, ist die vollständige Ausschöpfung des Potenzials von Science Attachés in ukrainischen Botschaften.
LUKE bringt ukrainische und europäische Forschungsakteure zusammen, um gemeinsam die Grundlagen für ein zukunftsfähiges F&I-System zu legen.
Das Projekt LUKE baut eine multilaterale Plattform für die Förderung und den Kapazitätsaufbau in der Ukraine auf. Fördereinrichtungen aus zwölf Ländern finanzieren gemeinsam transnationale F&I-Projekte mit ukrainischer Beteiligung und stärken die Integration in den Europäischen Forschungsraum. Koordination: DLR Projektträger.