Neue Förderung stärkt die jüdische Gegenwartsforschung
21.09.2026 — Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) hat eine neue Förderrichtlinie zur jüdischen Gegenwartsforschung veröffentlicht. Neben Forschungsprojekten wird der Aufbau eines Kompetenznetzwerks gefördert. Dieses soll die Akteure der jüdischen Gegenwartsforschung in Deutschland zusammenbringen und Wissen über jüdisches Leben in die breite Öffentlichkeit tragen. Der DLR Projektträger betreut die Ausschreibung von der Entwicklung der Förderrichtlinie mit zwei Förderlinien (A/B) bis hin zur Organisation der Begutachtung und schließlich der Begleitung der laufenden Projekte.
Vielfalt jüdischen Lebens erforschen
Jüdisches Leben in Deutschland ist vielfältig und von unterschiedlichen Herkünften, Zugehörigkeiten und Generationserfahrungen geprägt. In der geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschung wird diese Gegenwart bislang jedoch nur unzureichend abgebildet, auch die Datenlage ist lückenhaft. Hier setzt die neue Förderung an: Sie soll vorhandenes Wissen zusammenführen, neue Forschung ermöglichen und die Forschungslandschaft nachhaltig stärken.
Im Fokus steht jüdisches Leben in Deutschland seit 1945, insbesondere im 21. Jahrhundert. Mögliche Forschungsthemen reichen von Selbstverständnissen und Mehrfachzugehörigkeiten über migrationsbedingte Veränderungen bis zum Verhältnis zwischen jüdischen Gemeinschaften und der Gesamtgesellschaft.
Wissenschaftlich fundiertes Wissen über die Vielfalt jüdischen Lebens soll dabei nicht nur innerhalb der Forschung verfügbar sein. Ziel ist es auch, Erkenntnisse für die Gesellschaft zugänglich zu machen und zu einem differenzierten Verständnis jüdischer Gegenwart beizutragen.
Ein Netzwerk für die jüdische Gegenwartsforschung
Eine Besonderheit der Förderrichtlinie ist die Verbindung von Forschungsförderung und langfristiger Vernetzung. Dazu wurden zwei Förderlinien aufgesetzt: Förderlinie A unterstützt den Aufbau eines Kompetenznetzwerks, das möglichst viele Akteure der jüdischen Gegenwartsforschung in Deutschland ansprechen und miteinander verbinden soll. Das Netzwerk soll die Forschungslandschaft systematisch erfassen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft vernetzen, vorhandenes Wissen zusammenführen und den Transfer in die breite Öffentlichkeit unterstützen.
Förderlinie B fördert interdisziplinäre Einzel- und Verbundvorhaben wissenschaftlicher Einrichtungen. Praxispartner und internationale Partner können einbezogen werden. Eine wichtige Rolle spielt zudem die aktive Beteiligung von Vertreterinnen und Vertretern der jüdischen Community: Jüdische Perspektiven sollen nicht allein Gegenstand der Forschung sein, sondern auch in Forschung und Transfer einfließen.
Die Förderrichtlinie ist Teil des BMFTR-Rahmenprogramms für Geistes- und Sozialwissenschaften „Orientierung für eine Welt im Wandel“ (2026-2032) und knüpft an dessen den Handlungsschwerpunkt 1 mit dem programmatischen Ziel „Demokratische Gesellschaften zukunftsfähig gestalten“ an.