Titel
Kritische Technologien: Internationale Listen im Vergleich
15.01.2026 — Listen zu kritischen und sensitiven Technologien gewinnen weltweit an Bedeutung für Forschungssicherheit und Technologiesouveränität. In einer neuen Analyse vergleicht der DLR Projektträger Ansätze aus der EU, Frankreich, Kanada, den Niederlanden, Australien sowie den USA und zeigt Möglichkeiten zur Risikobewertung auf. Wissenschaftlicher und technologischer Fortschritt gelten weltweit als zentrale Treiber für Sicherheit, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund entwickeln Staaten zunehmend strategische Instrumente, um Forschung zu fördern, Innovation zu steuern und zugleich Technologiesouveränität zu schützen. Eine zentrale Rolle spielen dabei nationale und supranationale Listen kritischer oder sensitiver Technologien.
Diese Listen sollen Technologien von besonderer strategischer Bedeutung identifizieren und als Referenzrahmen für Politikgestaltung, Förderentscheidungen und Sicherheitsmaßnahmen dienen. Gleichzeitig prägen sie zunehmend die Rahmenbedingungen für Hochschulen und Forschungseinrichtungen.
Kein einheitliches Verständnis von „kritisch“
Eine neue Publikation des DLR Projektträgers analysiert und vergleicht ausgewählte Technologielisten aus sechs Staaten und Staatenverbünden: der Europäischen Union, Frankreich, Kanada, den Niederlanden, Australien und den Vereinigten Staaten. Trotz inhaltlicher Überschneidungen unterscheiden sich diese Listen erheblich in Terminologie, Detailtiefe, rechtlichem Status und Zielgruppe.
Während einige Ansätze eher sicherheits- und schutzorientiert sind, verfolgen andere vor allem industrie- und innovationspolitische Ziele. Teilweise werden beide Perspektiven miteinander kombiniert. Die Analyse zeigt, dass „kritische Technologien“ kein einheitlich definierter Begriff sind, sondern je nach nationalem Kontext unterschiedlich interpretiert und operationalisiert werden.
Fokus auf Sicherheit, Wettbewerb, Innovation
Die untersuchten Listen erfüllen unterschiedliche Funktionen. Einige dienen der Prävention von Wissensabfluss und der Kontrolle sensibler Forschungsaktivitäten. Andere zielen auf die strategische Bündelung von Ressourcen, die Stärkung nationaler Wettbewerbsfähigkeit oder die Ausrichtung von Innovationsökosystemen.
Dabei variiert auch der Grad der Verbindlichkeit. Während einzelne Listen rechtlich bindend sind und konkrete Pflichten für Forschungseinrichtungen begründen, haben andere lediglich empfehlenden Charakter. Diese Unterschiede wirken sich unmittelbar auf Governance-Strukturen, Kooperationsentscheidungen und Risikobewertungen in der Forschung aus.
Hohe Überschneidungen, unterschiedliche Akzente
Trotz unterschiedlicher Zielsetzungen zeigen sich erhebliche thematische Überschneidungen. Technologien wie Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Biotechnologie, Robotik oder Energietechnologien finden sich in nahezu allen untersuchten Listen. Unterschiede bestehen vor allem in der Gewichtung einzelner Bereiche sowie im Umgang mit Verteidigungs- und Dual-Use-Technologien.
Die Analyse verdeutlicht zugleich, dass viele Listen bewusst breit gefasst sind. Das erhöht ihre politische Anschlussfähigkeit, erschwert jedoch die konkrete Operationalisierung. Zu enge Definitionen hingegen können den trügerischen Eindruck von Präzision erzeugen und relevante Entwicklungen ausblenden.
Fehlende Transparenz bei Umsetzung und Monitoring
Ein zentrales Ergebnis betrifft die Umsetzung der Technologielisten. Trotz ihrer strategischen Bedeutung sind diese oft nicht mit einer einfachen Umsetzungsoption für Forschungsakteure verbunden und nicht mit einem systematischen, öffentlich nachvollziehbaren Monitoring verknüpft. Aussagen darüber, wie sich Prioritäten auf Förderentscheidungen, Kooperationsmuster oder Risikobewertungen auswirken, bleiben häufig aus.
Damit besteht die Gefahr, dass Technologielisten zu statischen Referenzen werden, ohne dass ihre tatsächliche Wirkung überprüft oder weiterentwickelt wird. Regelmäßige Aktualisierungen, klare Evaluationskriterien und eine transparente Rückkopplung in politische und institutionelle Entscheidungsprozesse sind bislang selten etabliert.
Mehrwert durch vergleichende Einordnung
Die Publikation führt die verschiedenen Listen systematisch zusammen und lässt Vergleiche zu. Die gemeinsame technologische Systematik macht Konvergenzen und Divergenzen sichtbar, die in Einzelbetrachtungen verborgen bleiben.
Hochschulen und Forschungseinrichtungen bietet dieser Ansatz eine fundierte Grundlage, um eigene Forschungsportfolios, Kooperationsstrategien und Risikobewertungen im internationalen Kontext einzuordnen. Die Analyse versteht sich damit als Orientierungsinstrument für eine reflektierte und differenzierte Forschungssicherheits-Governance. Auch der Risikobewertung im Rahmen der Safeguarding Science-Initiative des DLR Projektträgers dient sie als Grundlage.
Die Safeguarding Science-Initiative des DLR Projektträgers setzt sich dafür ein, Wissen als wichtige Ressource zu schützen, um die Integrität und Offenheit der wissenschaftlichen Forschung zu gewährleisten.
Mit Safeguarding Science bietet der DLR Projektträger eine breite Palette von Unterstützungsmöglichkeiten an, darunter Sensibilisierung zu Forschungssicherheit, Konkrete Beratung von Hochschulen und Forschungseinrichtungen zum Aufbau von Forschungssicherheitsstrukturen, eine Risiko- und Chancenbewertung konkreter Kooperationsprojekte mithilfe der Online-Applikation OPERATE sowie einen E-Learning-Kurs zum Thema Forschungssicherheit.